Arbeitsfeld 2: Qualifizierungsangebote
An dieser Stelle finden Sie demnächst eine ausführliche Darstellung. Vorab ein Auszug aus der Projektdarstellung:
Die Mehrzahl der inhaftierten Jugendlichen hat eine Haftdauer von etwa einem Jahr zu verbüßen. Dies ist bei der Re-Organisation des (Aus-) Bildungsbereichs zu berücksichtigen, da wegen der kurzen Haftzeit eine Vollausbildung in der JVA nicht möglich ist.
Das Modellprojekt setzt als "Lösungsstrategie" auf die Modularisierung von berufsbezogenen Qualifizierungen, da dies der Situation von Kurzstraflern entgegenkommt. Dabei stützte sich das Modellprojekt auf die bundeseinheitlichen Qualifizierungsbausteine des ZWH (Anerkannte Qualifizierungsbausteine liegen vor für Metall, Maler, Tischler, Bäcker, Elektro, Gebäudereiniger, Metallbauer).
Ein Ausbildungsmeister passte die Qualifizierungsbausteine für die sog. Grundausbildungslehrgänge an JVA-Bedingungen an; im Anschluss an die Anerkennung durch die zuständige Kammer werden sie in der fachpraktischen Ausbildung eingesetzt. Die Grundausbildungslehrgänge werden seit Oktober 2004 in Form von arbeitsmarktgängigen Teilqualifikationen durchgeführt. Teilqualifikationen dauern ca. sechs Monate und sollen zu einem arbeitsmarktverwertbaren Teilabschnitt einer anerkannten Berufsausbildung führen, die ggf. fortgesetzt werden kann.
Die JVA bietet in der Berufsvorbereitung und in der laufenden Berufsausbildung bisher folgende Teilqualifikationen an: Mediengestalter, Holzmechaniker, Konstruktionsmechaniker, Fachkraft im Gastgewerbe Küche/Service, Lagerfachkraft, Garten- und Landschaftsbau. Die zur Verfügung gestellten Mittel werden für zusätzlichen Unterricht neben der praktischen Ausbildung sowie für eine pädagogische Begleitung eingesetzt.
Die Gliederung der beruflichen Qualifizierung in Qualifizierungsbausteine beschränkt sich nicht auf die sechsmonatigen Teilqualifikationen. Es ist geplant, die gesamte Berufsausbildung der JVA, bis zur Zwischenprüfung in Qualifizierungsbausteine zu gliedern.
An dem für Jugendliche mit Migrationshintergrund konzipierten Berufsorientierungskurs (BOK) nehmen für drei Monate bis zu zehn Jugendliche an zwei Tagen pro Woche an Vollzeitunterricht in Deutsch, Mathematik, Allgemeinbildung, Alltagsbewältigung und Gesellschaftslehre teil; an drei Tagen in der Woche erhalten sie eine praktische Ausbildung in Holz und Metall. Der BOK läuft mittlerweile das dritte Mal und ist in das Regelangebot übernommen worden. Ebenfalls an migrante Jugendliche richtet sich der Kurs "Deutsch als Zweitsprache".
Ferner wurden die bestehenden Schultests für Deutsch, Mathematik, Wahrnehmung, Logik, technisches Kombinationsvermögen, Allgemeinwissen überarbeitet und ihre diagnostische Eignung verbessert.
Das Modellprojekt hat zudem eine Reihe weiterer "Produkte" entwickelt. Das vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung geleitete Projekt "@lpha - Innovative Ansätze in der Grundbildung durch medienbasierte Zugänge" ist abgeschlossen, die Medienwerkstatt der JVA beteiligte sich mit dem Teilprojekt "Mathematik am Spieltisch". Ziel war es, Fachwissen mit mathematischer Grundbildung zu verbinden. Die Lernsoftware liegt auf CD ROM vor und kann Kooperationspartnern zur Verfügung gestellt werden.
In einem Vorhaben zu Lebenslangem Lernen koordiniert das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung ein Projekt zum Thema "Weiterbildungspass mit Zertifizierung informellen Lernens" (www.dipf.de/wbp/Information.htm), an dem die JVA beteiligt ist. Sie erprobt den Weiterbildungspass mit ausgewählten Jugendlichen und entwickelt ein geeignetes Referenzprodukt, das für die Dokumentation von Qualifizierungsergebnissen in der JVA einsetzbar ist.
Für den Erwerb von EDV-Kenntnissen bietet die Medienwerkstatt Vorbereitungskurse auf den 'X-pert' und den 'X-pert Master' an. Diese Zertifikate sollen die Arbeitsmarktchancen erhöhen, darüber hinaus das Methodenrepertoire in der JVA-Schule durch Selbstlernsequenzen der Schüler erweitern.
Die Zertifizierung der Werkstätten nach dem Modell 'Lernerorientierte Qualitätstestierung in der Weiterbildung' (LQW) ist seit Februar 2005 (vorerst) erfolgreich abgeschlossen . Damit sind in 10 Qualitätsbereichen Mindestanforderungen überprüft und anerkannt worden. Durch die Zertifizierung sind die JVA-Werkbetriebe vom Status her mit Werkstätten von freien Weiterbildungsträgern vergleichbar. Das Zertifizierungsverfahren erstreckt sich nun auf den Schulbereich. Im August 2004 begann das LQS-Verfahren (Lernerorientierte Qualitätsentwicklung Schule) mit einem Start-Workshop für alle Lehrkräfte. Mit der Zertifizierung hat die JVA Wiesbaden eine Vorreiterrolle unter den Haftanstalten in Deutschland inne.
Verschiedene JVAen, Weiterbildungsträger und Schulen sind an Ergebnissen des Modellprojekts interessiert, wie z.B. an Qualifizierungsbausteinen, an der Lernsoftware, an Diagnoseverfahren. Das Modellprojekt setzt beim Transfer vor allem auf die Instrumente Beratung und Veranstaltungen.

