Definition

Empfehlungen zur statistischen Erfassung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund

In den amtlichen Statistiken wurde der Migrationsstatus üblicherweise über das alleinige Kriterium der Staatsbürgerschaft erfasst. Es ist jedoch mittlerweile unstrittig, dass durch diese Eingrenzung nicht alle Teilgruppen der Bevölkerung erfasst werden, die tatsächlich einen Migrationshintergrund haben und häufig einer spezifischen Förderung mit dem Ziel ihrer Integration in die Aufnahmegesellschaft bedürfen. Auf diese Weise bleiben z.B. Aussiedler und Aussiedlerinnen von einer Analyse ihrer spezifischen Sozialisations- und Lebensbedingungen in Deutschland zumeist ausgeschlossen.

Auch in der Praxis der "Entwicklungsinitiative: Neue Förderstruktur für Jugendliche mit besonderem Förderbedarf" war die Zielgruppe der Jugendlichen mit Migrationshintergrund nicht ausreichend definiert. Der Migrantenstatus wurde zunächst aus der Staatszugehörigkeit abgeleitet. Darüber hinaus wurden zusätzlich Aussiedler und Aussiedlerinnen erfasst. Aus dieser Vorgehensweise ergaben sich letztendlich eine Reihe von Problemen bei der Erfassung und Auswertung migrationsrelevanter Informationen. Ein exemplarischer Abgleich der erfassten Daten hinsichtlich des Anteils an Jugendlichen mit Migrationshintergrund in einzelnen Modellversuchen mit deren tatsächlichem Anteil ergab signifikante Differenzen bis zu einer maximalen Abweichung von bis 40%-Punkten!

Der Arbeitskreis "Förderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund" erarbeitete daher Empfehlungen zur statistischen Erfassung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund (PDF, 24.0 KB), die an die Bundesagentur für Arbeit weitergeleitet wurden.

Mikrozensus 2005

Der Mikrozensus, der alljährlich im Auftrag des Statistischen Bundesamtes durchgeführt wird, wertete in 2005 erstmals auch Daten zum Migrationshintergrund detaillierter aus. Demnach ist die Zahl aller Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland mit 15,3 Millionen Personen mehr als doppelt (!) so hoch wie bislang angenommen, d.h. jede/r fünfte Einwohner/in der Bundesrepublik hat nach der Definition des Statistischen Bundesamtes einen Migrationshintergrund. "Zur Bevölkerungsgruppe der Menschen mit Migrationshintergrund zählte das Statistische Bundesamt neben Ausländern auch Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit, wie beispielsweise eingebürgerte Ausländer oder eingebürgerte Kinder von Ausländern sowie Spätaussiedler und Kinder von Spätaussiedlern. In Ausländerstatistiken werden diese Menschen nicht erfasst, Russlanddeutsche oder viele Kinder binationaler Ehen gelten juristisch - und damit statistisch - als Deutsche."
URL: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,419886,00.html

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.destatis.de/themen/d/thm_mikrozen.php

Statistisches Bundesamt (2006): Leben in Deutschland – Haushalte, Familien, Gesundheit. Ergebnisse des Mikrozensus 2005. http://www.destatis.de/download/d/veroe/faltblatt/mikrozensus_2005.pdf

Erfassung des Migrationshintergrundes in der amtlichen Statistik

In dem vom BMBF im Jahre 2005 in der Reihe Bildungsreform herausgegebenen Band 14 wurden die Beiträge eines Expertenforums zusammengefasst, das von der Arbeitsstelle Interkulturelle Konflikte und gesellschaftliche Integration am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung im Juni 2004 durchgeführt wurde. Sie beinhalten Forschungsergebnisse zur Bildungsbeteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund und bewerten die gegenwärtig im Bereich Bildung verfügbaren Statistiken. Es werden darüber hinaus Möglichkeiten beschrieben, wie der Migrationshintergrund tatsächlich rechtskonform und zuverlässig beschrieben werden kann.

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) [Hg.]: Migrationshintergrund von Kindern und Jugendlichen: Wege zur Weiterentwicklung der amtlichen Statistik. Bildungsreform Band 14. Bonn, Berlin 2005.

Die Broschüre steht zum Download bereit unter:
http://www.bmbf.de/publikationen/2713.php